Normalerweise ist der Uni-Alltag ein geschützter Raum: man präsentiert vor Kommiliton*innen, die man kennt, und Dozierenden, die einen bewerten. Doch am verlängerten Wochenende (5.-8. Dezember) verwandelte die 49. Österreichische Linguistiktagung die Universität Klagenfurt in ein internationales Zentrum der Sprachwissenschaft: und wir waren nicht nur als Gäste geladen! Im Rahmen einer von Dr. Steven Schoonjans angebotenen Lehrveranstaltung durften wir den Workshop der Emerging Linguists aktiv mitgestalten.
Der Kontrast zum normalen Uni-Alltag hätte kaum größer sein können. Bei der Workshop-Organisation wird Teamwork großgeschrieben: Laura, Marina und Renévon den Emerging Linguists haben uns gezeigt, dass eine Tagung weit mehr ist als nur ein paar PowerPoint-Folien.
Unser Einsatz begann schon lange vor dem eigentlichen Termin beim Abstract-Review. Für viele war das eine fast schon „eigenartige“ Erfahrung: Als Bachelor-Studierende die wissenschaftliche Qualität anderer Arbeiten zu beurteilen und nach einem Punktesystem zu entscheiden, wer präsentieren darf, war eine Lektion in Sachen wissenschaftlicher Verantwortung.
Zwei Teams, ein Ziel
Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, wurden wir in zwei schlagkräftige Gruppen aufgeteilt. Die Studierendensektion übernahm die Moderation, stellte die Vortragenden vor und leitete Diskussionen. Auch die Technik – von der Aufnahme bis zur Audiowiedergabe – lag in unserer Hand. Die zweite Gruppe bildete das Rückgrat der Tagung. Sie kümmerte sich um das Tagungsbüro, die Erstellung der Tagungsmappen und die gesamte Raum-Infrastruktur.
Die ÖLT ist die größte Linguistische Tagung Österreichs. Überall auf dem Campus traf man auf gestandene Wissenschaftler*innen aus Österreich, Deutschland und darüber hinaus. In den Gängen wurde über Phonologie debattiert, in den Hörsälen reichten die Sektionen von historischer Sprachwissenschaft, über Sprache und Musik bis hin zu digitaler Slawistik.
Und genau mittendrin: Wir. Der Nachwuchs.
Besonders spannend war es für diejenigen aus unseren Reihen, die selbst ein Abstract eingereicht hatten und nun, im Rahmen des Emerging Linguists Workshop, ihre eigenen Forschungsergebnisse erstmals vor einem Fachpublikum präsentieren durften:
Ich war vor meinem Vortrag nervöser als vor der Matura! Doch als ich es hinter mir hatte, ist die Anspannung von mir abgefallen. Ich bin unglaublich froh und dankbar, dass ich diese großartige Erfahrung machen durfte!
– Studentin der Universität Klagenfurt
Das Gefühl, wenn der eigene Vortrag vorbei ist und die erste fachliche Frage aus dem Publikum kommt, ist eine Mischung aus Erleichterung und purem Stolz. Wir haben nicht nur gelernt, wie man eine Tagung organisiert, sondern auch wie es sich anfühlt, Teil einer wissenschaftlichen Community zu sein.
Unser Programm spannte einen beeindruckenden Bogen von forensischer Linguistik und algorithmusgestützten Analysen über Dialektforschung und Diskursanalyse bis hin zu japanischen Rollensprachen, Sprachlandschaften und pragmatischen Phänomenen wie dem Sprechakt Danken. Kurz: alles, was die junge Linguistik spannend, bunt und hochrelevant macht. Der Workshop bot eine Bühne für neue Perspektiven, methodische Vielfalt und kritische Diskussionen – und natürlich Raum zum Netzwerken, Austauschen und Plaudern.
Was wir mitnehmen
Wir verlassen dieses Projekt mit einem Koffer voller wertvoller Erfahrungen. Das „Orga-Chaos“ im Hintergrund – die Technik-Checks, das Zeitmanagement, die Moderation – hat uns zwar ordentlich auf Trab gehalten, aber es hat uns auch geerdet. Wir haben gelernt, dass auch bei den Profis mal ein Kabel nicht passt oder eine Diskussion länger dauert als geplant und vor allem: dass wir bereit für die wissenschaftliche Bühne sind. Einige von uns sind jetzt so motiviert, dass sie sich bereits für die nächsten internationalen Tagungen bewerben wollen!
Ein riesiges Dankeschön geht an das Team der Emerging Linguists – Laura, Marina und René. Danke für euer Coaching, euer Vertrauen und die Geduld, mit der ihr uns durch diesen Prozess begleitet habt. Ihr habt uns gezeigt, dass die Linguistik nicht nur in Büchern stattfindet, sondern von einem inspirierten Miteinander und dem echten Austausch auf Augenhöhe lebt.
Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!
Von Stella und Anna

